Caroline Raven

~Autorin



Klappentext


Kann die große Liebe jeden Schicksalsschlag überstehen?

Als Claire in einem Krankenhaus in Hannover eine neue Stelle antritt, verliebt sie sich Hals über Kopf in den attraktiven, jedoch verheirateten, Dr. James Reeker.

In dem Glauben, niemals eine Chance bei ihm zu haben, schwärmt sie im Stillen, als das Unglaubliche passiert und ihre Gefühle erwidert werden.

Damit beginnt für die beiden ein harter Kampf, um ihr gemeinsames Glück, dem sich nicht nur James Frau in den Weg stellt, sondern Himmel und Hölle scheinen sich gegen sie verschworen zu haben. Lohnt sich ein Kampf, der so aussichtslos scheint?

Doch Claire ist eine Kämpferin und setzt alle Hebel in Bewegung, um ihre große Liebe nicht zu verlieren.


Leseprobe 1


Freitag – ein Grund zur Freude. Doch nicht heute, nicht für Claire und schon gar nicht, wenn von fünf Kolleginnen drei nicht da waren. Eine im wohlverdienten Urlaub und zwei weitere krank. Ihre Kollegin aus der Untersuchungsebene konnte sie heute auch nicht unterstützen und so sinnierte sie vor sich hin, dass dieser Tag wieder einmal ohne Pause enden würde.

Die Uhr zeigte bereits kurz vor acht und in wenigen Minuten öffnete sich die automatische Tür, um die ersten Patienten des Tages in die Ambulanz der Klinik hineinzulassen. Der Sprechstundenplan der zwei zuständigen Ärzte sah voll aus und Claire ahnte, dass heute ein stressiger und langer Tag auf sie zukommen würde. Sie saß allein an der kleinen, offenen Anmeldung. Ihre Kollegin und Freundin Karen saß im Nebenzimmer, in dem die Patienten nach der Behandlung ihre Blutentnahmen, Rezepte oder Folgetermine bekamen. Claire sah hinüber und lächelte sie an. Die Achtundvierzigjährige strich sich müde durch ihre schulterlangen, braunroten Haare und gähnte. Claire nippte noch ein letztes Mal an ihrem Kaffee, während sie sich am PC anmeldete und unterdrückte ein Gähnen. Noch ein Mal tief durchatmen, dann öffnete sich mit einem leisen Knarren die Tür. 
Nacheinander arbeitete sie alle Patienten ab und ließ sich auch durch die Ungeduld der Wartenden nicht aus der Ruhe bringen, um alles gewissenhaft und korrekt vorzubereiten. Die Tür öffnete sich erneut geräuschvoll als Mara und James, zwei der zuständigen Ambulanzärzte, an der Anmeldung erschienen. Claire schaute von ihrer Patientenakte auf und begrüßte die beiden mit einem fröhlichen ´Guten Morgen`. Ihr Lächeln galt dabei allerdings einzig und allein James. Als der Vierzigjährige, hochgewachsene Facharzt sie mit seinen funkelnden blauen Augen ansah, machte ihr Herz einen kleinen Sprung. Verlegen strich sie sich eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht , eine „Macke“ die sie immer in seiner Anwesenheit vollführte. Claire, die Achtunddreißig-jährige, taffe und eigentlich selbstbewusste Frau, fühlte sich in seiner Gegenwart oft wie ein unsicherer Teenager. Über diese Feststellung musste sie selbst ein wenig schmunzeln, während sie sich wieder ihrer Arbeit widmete. 

***

„Entschuldige, darf ich dich kurz stören?“ 
James schaute von seinem Bildschirm auf und lächelte, als er Claire sah. „Natürlich, was gibt es denn?“, fragte er. 
Nervös betrat sie das kleine Arztzimmer, die Patientenakten schützend vor sich. „Mir fehlen in den Akten noch die Einträge der letzten Untersuchungen. Wenn du Zeit hast und die nachtragen könntest?“ Sie reichte ihm die Akten und dabei berührten sich, wie so oft, ihre Hände. Ihr Herz setzte einen Schlag aus. 
„Ja natürlich, ich kümmere mich darum“, antwortete er lächelnd, während sie einen Schritt in Richtung Tür zurückwich. 
„Prima, ich hole sie mir nachher wieder raus.“ Er nickte und sie verließ eilig das Zimmer. Nachdem sie die Tür zugezogen hatte, lehnte sie sich an die Wand und schloss für einen kurzen Moment ihre Augen. Als sie diese wieder öffnete, stand Mara, die stets gut gelaunte, schwarzhaarige Ärztin vor ihr und grinste.     „Na, alles gut?“ 
Sie fühlte sich ertappt und errötete leicht. „Ja, natürlich, alles gut“, erklärte sie hastig, drehte sich um und lief zurück in die Anmeldung, an der das Telefon mit monotonem Dauerklingeln auf sich aufmerksam machte. 

Es ging auf den Nachmittag zu, als Claire wieder vor James in seinem Zimmer stand. So nah gegenüber, dass sie dachte, er müsse ihren Herzschlag hören können. Als er hinter sie griff, um an die Akten zu kommen, roch sie sein Aftershave und spürte seine Nähe - es fiel ihr schwer, die Fassung zu wahren. 
„So, hier sind sie. Alles fertig ausgefüllt.“ Sie nahm ihm die Akten ab. Er sah ihr tief in die rehbraunen Augen und für einen Augenblick schien die Welt für Claire still zu stehen. Dieser Moment wurde jäh unterbrochen, als Mara in der Tür erschien.
 „Claire, hier bist du! Ich brauche dich mal.“ 
Sie zwang sich, ihre Augen von ihm abzuwenden, verließ den Raum und lief mit ihr ins Arztzimmer nebenan. Dort setzten sich die Frauen an den Schreibtisch und öffneten den Terminkalender. Mara bat darum, einige Termine zu verschieben und zu blocken. 
„Klar, kein Problem. Und danke für die Rettung.“ 
Mara grinste vielsagend. „Das sah gefährlich aus, was war denn da los?“ 
„Ich habe keine Ahnung“, antwortete sie ihrer Freundin schulterzuckend. „Du bist im richtigen Augenblick reingekommen.“ 
„Dann ist ja gut, ich dachte schon, du bist sauer, dass ich dich rausgeholt habe“, zwinkerte sie ihrer Freundin zu.
Claire sah abgelenkt auf den Bildschirm. „Quatsch, nein. Alles gut. Ich bin ja schließlich hier, um zu Arbeiten.“ 
Die Neununddreißigjährige drehte sich fragend zu Claire. „Was steht denn morgen Abend bei dir an?“
„Ich habe für dieses Wochenende noch nichts geplant“, antwortete sie überrascht. 
„Super, dann lass uns doch morgen endlich mal auf einen Cocktail treffen“, schlug Mara vor. „Wir haben das schon so lange aufgeschoben.“ 
„Ja sehr gerne.“ 

 „Wir müssen auch noch auf meinen Facharzt anstoßen! Morgen um halb neun im Brauhaus?“ 

„Das machen wir!“

 

Leseprobe 2



 

In der darauffolgenden Zeit gestaltete sich der berufliche Umgang zwischen den Zweien als zunehmend schwieriger. Sie standen sich gegenseitig im Weg und James wirkte genervt, sobald Claire ein dienstliches Anliegen hatte. Mittlerweile ignorierte er sie vor den Kollegen sogar vollends, was Claire mehr und mehr zu schaffen machte. Am Mittwoch stand die monatliche Teamkonferenz an, in der die beiden sich gegenübersaßen. Doch sie wichen ihren Blicken gegenseitig aus. Claire konnte der Besprechung nur schwer folgen und innerlich verfluchte sie sich für ihre Gefühle und dieses Chaos, welches aus dem gemeinsamen Kontakt entstand. Nach der Konferenz musste sie ihn noch etwas fragen, doch er speiste sie mit einem Schroffen ´Ich kann jetzt nicht` ab. Karen stand neben ihr und sah irritiert drein. 

„Was ist denn mit dem los?“ 
„Keine Ahnung, ist mir auch egal“, gab sie bissig zurück und ging in Richtung Küche, um ihre aufsteigenden Tränen in den Griff zu bekommen. Am Fenster atmete sie tief durch und ging dann wieder zur Anmeldung. Es saßen noch zwei Patienten im Wartebereich, trotzdem begann sie mit dem Aufräumen und schloss die Behandlungsräume ab. Dann sah sie James, der ihr auf dem Flur entgegenkam - und sie ignorierte ihn! Er jedoch zog sie mit einem mal in eines der Sprechzimmer, um sie in den Arm zu nehmen. 
„Es tut mir leid, ich bin ein verdammter Idiot.“ 
Genauso schnell, wie er sie in den Raum gezogen hatte, verschwand er auch schon wieder und ließ eine völlig perplexe Claire zurück. ´Was sollte das denn?! Spinnt der? Was denkt der eigentlich…` Wut und Verletzung machten sich in ihr breit. ´Was der kann, kann ich auch`. Und so zeigte sie ihm in den kommenden Tagen die kalte Schulter. Am Wochenende versuchte sie, durch Feiern mit Sarah, Abstand zu ihm und ihren immer wiederkehrenden Gedanken zu bekommen. Sie musste dringend unter Menschen, die ihr nicht permanent auf ihrem Herzen herumtrampelten. Nach dem vierten Cocktail wollte sie James eine Nachricht schicken, in der sie ihrem Frust Luft machen wollte. Allerdings konnte ihre Freundin dies im letzten Moment verhindern.

Auch in den kommenden Wochen gestaltete sich die Zusammenarbeit der beiden schwierig, dabei gaben sie bis dahin immer so ein gutes Team ab. 
James musste zu einer der Oberärztinnen, da bei einer Untersuchung etwas schief gelaufen war und Claire regelte im Hintergrund alles Nötige, somit brauchte er sich um nichts kümmern. Der Dank dafür hielt sich in Grenzen, denn er ignorierte sie weiterhin und tat beinahe so, als gäbe es sie gar nicht. Mara oder Karen fragten oft, was zwischen den beiden sei und es fiel ihr schwer, nicht in Tränen auszubrechen. Zu Hause telefonierte sie oft mit Sarah, wenn er sich mal wieder daneben benommen hatte. Auch diese verzweifelte langsam an der Situation. 
„Sprich mit ihm! Wie sollt ihr denn so als Team zusammenarbeiten?“ Während dieses Telefonates offenbarte Claire ihr, dass sie sich aus lauter Verzweiflung wegbeworben hatte. 
„Ich kann so nicht mehr arbeiten! Es funktioniert nichts mehr zwischen uns! Weder im Job, geschweige denn der private Kontakt. Ich bin froh, dass ich ihn eine Zeitlang nicht sehen muss.“, lehnte sie sich frustriert und den Tränen nah auf ihrem Sofa zurück.

 



 



 

   

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